„Man kann nicht nicht kommunizieren“ – was heisst das eigentlich?
„Er sagt nichts – aber ich weiss ganz genau, was er meint.“
Diesen Satz hören wir nicht selten – und er steht beispielhaft für eine grundlegende Wahrheit in der zwischenmenschlichen Kommunikation:
Wir kommunizieren immer.
Selbst wenn wir glauben, gar nichts zu sagen, sendet unser Körper Signale – durch Haltung, Mimik, Gestik oder durch das Schweigen selbst.
Das berühmte Axiom von Paul Watzlawick
Der Kommunikationsforscher Paul Watzlawick hat es treffend formuliert: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Sobald zwei Menschen einander begegnen, entsteht Interaktion – gewollt oder ungewollt. Ein Blick, ein Seufzen, das Abwenden des Körpers oder auch das Ausbleiben einer Reaktion – all das spricht. Und oft sogar lauter, als uns bewusst ist.
Wenn ein Blick den Streit auslöst
Ein Beispiel aus meinem Buch „Ich rede mit dir!“ zeigt, wie tiefgreifend nonverbale Missverständnisse wirken können:
Wenn Thomas sich nach der Arbeit nicht bei Franziska meldet, entsteht ein Streit – ohne dass ein einziges Wort gefallen ist. Ein Blick genügt, und die Stimmung kippt. Dabei meint keiner der beiden es böse. Es sind die Interpretationen, die die Spannung erzeugen. Und genau darin liegt eine der grössten Falltüren: Wir sehen nicht, was ist – sondern das, was wir zu sehen glauben.
Kommunikation ist ein komplexes Zusammenspiel aus Inhalt, Beziehung und eigener Wahrnehmung. Wir tragen Filter in uns – geprägt durch Erfahrungen, Bedürfnisse, Verletzungen. Deshalb ist ein neutral gemeinter Satz für die eine Person nur ein Satz, für die andere eine Zurückweisung.
Was hilft?
Achtsamkeit. Nachfragen. Und manchmal: eine Pause, bevor wir reagieren.
Denn manchmal ist das, was nicht gesagt wird, die lauteste Botschaft im Raum.
Was wir daraus lernen können
Je besser wir einander zuhören – auch zwischen den Zeilen –, desto weniger müssen wir kämpfen, um verstanden zu werden. Nicht jede Reaktion ist gegen uns gerichtet. Manchmal ist sie nur Ausdruck einer eigenen Unsicherheit, Müdigkeit oder inneren Not.
Es braucht Mut, hinter die Fassade zu blicken. Und es braucht Vertrauen, dass nicht jeder „böse Blick“ ein Angriff ist. Vielleicht ist es einfach nur… ein müder Blick.
Wenn wir das verinnerlichen, können wir beginnen, mitfühlender und feiner zu kommunizieren – und vielleicht auch ein wenig mehr Frieden in unseren Beziehungen finden.
„Zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was ankommt, liegt ein ganzer Kosmos – gefüllt mit Vergangenheit, Erfahrungen und Hoffnungen.“
Möchtest du mehr darüber erfahren, wie Kommunikation gelingt – auch in schwierigen Momenten?
Hier geht’s zur Leseprobe meines Buches „Ich rede mit dir!“
Lieber Gruss
Lisa



Schreibe einen Kommentar